Schützen beenden Saison 2020
24. September 2020
Schützen Lindenberg auf Kurs
26. März 2021

Wir sind eine Familie

Für den Jungschützenleiter Daniel Michlig bedeuten die Schützen Lindenberg und der Schiesssport alles. Mit seinen Nachwuchs-Kursen verbessert sich gar manchmal eine schulische Leistung.
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Daniel Michlig im Schützenstand
«Ich wüsste nicht, wie ich ihn ersetzen könnte», sagt der Präsident der Schützen Lindenberg Ernst Marti. Mit «ihm» meint er seinen Jungschützenleiter Daniel Michlig, der vis-à-vis von Marti am grossen Holztisch im Schützenhaus in Hämikon sitzt. «Was er leistet, ist unbezahlbar. Sein Engagement ist gewaltig. Mindestens drei Tage pro Woche setzt er sich für den Verein und die Jung-schützen ein.» Michlig freut sich über die lobenden Worte, will sich aber selbst nicht so sehr in den Mittelpunkt rücken. So sagt der bodenständige Mechaniker: «Jeder Helfer ist wertvoll, ich bin nicht besser als andere.» Michlig ist seit 25 Jahren ein begeisterter Schütze und seit 2011 Mitglied bei den Schützen Lindenberg. Hier spürte er gleich, dass er genau am richtigen Ort ist. «Ich fühlte mich sofort wohl hier und von allen akzeptiert.» Er begann mehr Verantwortung zu übernehmen, 2013 übernahm der bald 42-Jährige aus Fahrwangen den Posten des Jungschützenleiters. Seitdem gibt er Kurse für Buben und Mädchen in den Bereichen 10-Meter-Luftgewehr und 300-Meter-Distanz mit dem Sturmgewehr. «Die Jungen zu betreuen, macht mir riesigen Spass. Ich mache alles dafür, dass die Kids zu guten Schützen werden.» Michlig verbringt mittlerweile fast seine ganze Freizeit im Verein. Er sieht das nicht als Opfer oder als Belastung, im Gegenteil. Der alleinstehende Michlig sagt: «Für mich sind die Schützen mittlerweile zu meiner zweiten Familie geworden.» Einmal habe er ausgerechnet, wie viel Zeit er ungefähr pro Jahr für seine ehrenamtliche Aufgabe aufwendet. «Es sind mindestens 250 Stunden.» Geld für seine Arbeit zu verlangen, käme Michlig jedoch niemals in den Sinn. «Dafür gebe ich mein ganzes Herzblut, die Arbeit mit den Jungen ist meine grosse Leidenschaft.» Auch sein Arbeitgeber unterstütze ihn, ermöglicht ihm eine zeitliche Flexibilität und Selbständigkeit. Dafür ist Michlig dankbar. «So kann ich, falls nötig, auch mal tagsüber was für den Verein erledigen.»

Jederzeit für die Jungen da

Michlig sah schnell, dass in der Region und der Gemeinde Hitzkirch beim Nachwuchs grosses Interesse für das Schiessen besteht. So baute er das Angebot für die Jungen in den vergangenen Jahren aus und begann nicht nur im Frühling, Herbst und Winter, sondern auch im Sommer 10-Meter-Kurse anzubieten. Die Qualität der Ausbildung hat für den Coach einen hohen Stellenwert. «Mir ist wichtig, auf jeden einzugehen und mir genug Zeit zu nehmen für alle, damit sie sich verbessern können.» Aber die Jungen müssten Ehrgeiz und Motivation mitbringen, sonst bringe alles nichts. «Ich spüre sofort, wenn jemand nicht wirklich will.» Michlig ist stets mit Feuer und Flamme dabei, und dies spürten die Jungschützen. «Darum kommen sie gerne zu mir.» Er sei jederzeit für sie da, auch wenn sie privat Probleme haben und seinen Rat brauchen. Disziplin ist ebenfalls essenziell im Schiesssport. Im Trainingsraum müssen die Jugendlichen still sein und sich voll dem Schiessen widmen. Es sind Schusswaffen im Spiel, da ist immer Vorsicht angebracht. «Wenn sie abgelenkt sind und mit den anderen plaudern, bremsen sie sich selbst aus und schiessen nicht gut.» Nur mit vollem Fokus und Aufmerksamkeit könne man gute Resultate erzielen. Ein guter Schütze brauche laut Präsident Marti neben scharfen Augen aber auch weitere Eigenschaften: «Körperbeherrschung, Konzentration, Durchhaltewillen und eine geschulte Atemtechnik.» Während der Saison arbeitet Michlig wöchentlich hart daran, dass sich seine Schützlinge verbessern. Dieses Training hat sich ausgezahlt: 2018 wurde Vereinsmitglied Alex Baumann bester 300-m-Jungschütze der Schweiz. «Das hat uns natürlich sehr stolz gemacht.» Auch beim Ferienpass der Schule Hitzkirch macht der Verein mit. Davon kann Marti eine besondere Anekdote erzählen. «Eine Lehrerin rief mich an und sagte, sie fände es nicht gut, dass ihre Schüler ihre Freizeit mit Schiessen und Waffen verbringen.» Das hielt diese aber nicht ab, Kurse bei Michlig zu besuchen. Einige Monate später habe dieselbe Lehrerin angerufen. «Diesmal sagte sie, sie merke im Unterricht, wer ins Schiessen geht. Diese Schüler könnten sich besser als andere konzentrieren und hätten sich schulisch gesteigert.» Michligs Arbeit mit dem Nachwuchs hat sich bei den Jugendlichen in der Region herumgesprochen. So wollten viele junge Seetaler gerne zum Hämiker Verein. «Es rufen mich immer wieder welche an, die fragen, ob sie sich uns anschliessen dürfen.» Im Moment sind bei der 300-Meter-Distanz 17 Jugendliche angemeldet, bei der 10-Meter-Distanz 22. Damit ist die Obergrenze fast erreicht. «Wenn es zu viele werden, kann ich mir nicht mehr ausreichend Zeit für den Einzelnen nehmen, das wäre nicht zielführend», sagt Michlig.

Starker Zusammenhalt und gute Kameradschaft

Was den Verein so beliebt mache in der Region, sei die gute Kollegialität untereinander. «Auch ich sehe uns als grosse Familie», sagt Präsident Marti. So reisten die Mitglieder jeweils zusammen an Schützenfeste und unterstützten sich gegenseitig. Auch Helfer für Anlässe fänden sich immer genug. «Für unseren starken Zusammenhalt werden wir von anderen Vereinen sogar beneidet. Ich bin überzeugt davon, dass er sich auch in unseren guten Resultaten widerspiegelt.» So könnten die Lindenberger national mit den Besten mithalten. Das Pflegen des Vereinslebens und gemeinsame Aktivitäten haben für Marti eine sehr hohe Bedeutung. So organisiert man jeweils jährlich ein Lotto, alle fünf Jahre ein Schützenfest und nimmt an auswärtigen Wettbewerben teil. Mittwochs ist jeweils Schützen- abend, von 18 bis 20 Uhr wird geschossen, an-schliessend im Schützenhaus ein Znacht genossen. Für Michlig ist dieser Anlass heilig. «Das weiss mein ganzes Umfeld. An diesem Abend wird niemand auf die Idee kommen, mit mir abmachen zu wollen», sagt er schmunzelnd. Marti schätzt am Schiesssport auch, dass er Generationen verbindet. Nach dem Wettkampf sässen 14-jährige Jungschützen und 70-jährige Veteranen am selben Tisch und diskutieren miteinander ihre Resultate. «Wo gibt es so was sonst?»

Spielverderber Corona

Doch Corona hat sich wie auch bei den anderen Sportvereinen als Spassbremse gezeigt. So konnte die letzte Saison nur verkürzt stattfinden, von Juni bis Oktober. Und seither wurde nicht mehr geschossen. «Wir vermissen das alle stark. Uns fehlt das Schiessen und das gesellige Zusammensein», sagt Marti. Auch ökonomisch waren die staatlichen Verbote und Beschränkungen für die Schützen Lindenberg schmerzhaft. «Um alle Aktivitäten zu finanzieren, sind wir auf zusätzliche Einnahmen angewiesen, da reichen die Mitgliederbeiträge nicht.» Das besonders einträgliche Vereinslotto musste nun schon zweimal abgesagt werden, auch das Schützenfest 2020 konnte äusserst kurzfristig nicht stattfinden – sogar die Festführer waren schon fertig produziert und gedruckt. «Wir machten letztes Jahr einen Verlust von etwa 30 000 Franken, das tut uns schon weh.» Glücklicherweise habe der Verein ein solides finanzielles Polster. Aber: «Allzu lange könnten wir das aber nicht mitmachen. Wir wollen aber nicht betteln und jammern. So schnell geben wir nicht auf.» Für die Schützen gibts aber Licht am Horizont. «Wir sind optimistisch, dass wir ab April wieder schiessen können», sagt Marti. «Ab dann läuft jedenfalls unsere Planung.» Das grösste Jahreshighlight werde voraussichtlich das Eidgenössische Schützenfest in Luzern sein (11. Juni bis 11. Juli), daran nehmen natürlich auch die Hämiker teil. So blicken der Verein und seine Mitglieder wieder zuversichtlicher in die Zukunft als auch schon. Michlig jedenfalls sagt: «Ich werde den Schützen Lindenberg treu bleiben. Egal, was auch geschieht.» Dass er weitermacht, will auch sein Präsident. «Ich hoffe, er wird noch sehr, sehr lange für uns da sein.»

Quelle: Seetalerbote

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